Viele Menschen erleben den Alltag zunehmend als laut, schnell und überfordernd. Permanente Erreichbarkeit, ein voller Terminkalender und der Anspruch, in allen Lebensbereichen zu funktionieren, prägen unser Tempo. Selbst Momente, die eigentlich Entlastung bringen sollten – wie der Spaziergang mit dem Hund – geraten so leicht in den Strudel von Pflichten und Erwartungen.

Besonders Menschen mit einer ausgeprägten Sensibilität spüren diese Reizüberflutung intensiver. Sie nehmen Geräusche, Stimmungen und Eindrücke stärker wahr, was einerseits eine große Stärke sein kann, andererseits aber auch zu innerer Unruhe führt. In Kombination mit den Bedürfnissen des Hundes entsteht so eine besondere Herausforderung – und zugleich die Chance, neue Wege zu mehr Achtsamkeit und Ruhe im Miteinander zu finden.

Was bedeutet Hochsensibilität? 

Hochsensible Menschen besitzen ein besonders empfindsames Nervensystem. Sie nehmen Reize aus ihrer Umwelt intensiver wahr als andere Menschen.

Typische Merkmale sind u.a.

  1. Intensivere Wahrnehmung von Sinnesreizen: Hochsensible Menschen haben ein besonders sensibles Nervensystem, das Umweltreize intensiver verarbeitet als andere. Dadurch können alltägliche Eindrücke wie laute Geräusche, bestimmte Gerüche oder Berührungen viel intensiver wahrgenommen werden. Ihr ausgeprägter Sinn für Stimmungen kann für hochsensible Menschen eine große Stärke sein, führt jedoch auch schnell zu Überforderung. So fühlen sich hochsensible Hundebesitzer:innen in großen Hundegruppen oft unwohl – die Vielzahl unterschiedlicher Emotionen der Menschen oder das laute Bellen der Hunde kann rasch als zu viel empfunden werden. In der Folge meiden viele hochsensible Hundemenschen solche Gruppenaktivitäten lieber ganz. 
  2. Schnelleres Gefühl von Erschöpfung bei zu vielen Reizen: Da hochsensible Menschen äußere Eindrücke besonders intensiv und tiefgehend verarbeiten, gelangen sie schneller an ihre Belastungsgrenze. Während andere Hundebesitzer:innen die Geräuschkulisse in einer Hundegruppe noch als völlig normal empfinden, fühlt sich eine hochsensible Person bereits überreizt. Auch das wilde Toben der Hunde auf einer Hundewiese kann für hochsensible Menschen schnell überfordernd sein, wenn ihnen der Überblick über die Hunde fehlt. Die Folge können der Rückzug aus Gruppenaktivitäten, innere Unruhe oder sogar körperliche Symptome wie Kopfschmerzen sein.
  3. Ausgeprägtes Bedürfnis nach Ruhe und Erholung: Um diese Hochsensibilität auszugleichen, haben Betroffene ein starkes Bedürfnis nach Ruhe, in der sie ihre Eindrücke verarbeiten und ihr Nervensystem regenerieren können. Das kann bedeuten, dass sie sich nach einem arbeitsreichen Tag bewusst zurückziehen, Stille suchen oder entspannende Tätigkeiten ausüben. Für Hundebesitzer:innen kann das bedeuten, lieber einen ruhigen Waldspaziergang zu machen oder sich auf die Couch zurückzuziehen, anstatt mit dem Hund durch eine belebte Innenstadt zu gehen oder eine Gruppenaktivität ihrer Hundeschule zu besuchen.

Wie arbeitet das hochsensible Gehirn? 

In einer Studie von Meinersen-Schmidt et al. wurde die Hirnaktivität hochsensibler Personen im Ruhezustand mit Hilfe eines EEG gemessen. Dabei zeigten hochsensible Menschen eine stärkere Gehirnaktivität, besonders in den Bereichen, die mit Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Sinnesverarbeitung zusammenhängen. Interessanterweise fiel diese erhöhte Gehirnaktivität mit geschlossenen Augen weg, was darauf hindeutet, dass eine Reizabschirmung (z. B. in einer stillen Umgebung wie dem Wald oder Park) schnell und effektiv zur Erholung hochsensibler Menschen beiträgt. Während Hochsensible äußerlich ruhig und inaktiv wirken, arbeitet es in ihnen umso stärker. Besonders in reizintensiven Umgebungen (z. B. laute Hundegruppen, überfüllte Innenstädte) laufen die Gehirnaktivitäten Hochsensibler auf Hochtouren, was erklärt, warum viele Hochsensible sich auch in scheinbar ruhigen Umgebungen erschöpft und reizüberflutet fühlen können.¹ 

Entspannung für hochsensible Menschen 

Hochsensible Menschen können bewusst geplante Zeiten der Reizreduktion sowie Entspannungsübungen nutzen, um ihr Nervensystem auszugleichen. Bereits wenige Minuten mit geschlossenen Augen in einer stillen Umgebung können helfen, das Nervensystem zu beruhigen und damit Erschöpfung langfristig zu reduzieren. Regelmäßige Reizpausen, zum Beispiel durch Spaziergänge im Wald oder in ruhigen Wohngebieten mit wenig Verkehr, ermöglichen es dem Gehirn, in den Ruhezustand zurückzukommen. Gerade der Wald bietet dafür ideale Bedingungen: Er ist reizarm, beruhigend und schenkt uns die Möglichkeit, mit allen Sinnen zu entschleunigen. Dieses bewusste Eintauchen in die Natur – auch bekannt als Waldbaden – lässt sich wunderbar mit einem Spaziergang mit dem Hund verbinden. So entsteht eine gemeinsame Auszeit, die nicht nur uns, sondern auch unseren Hunden guttut.

3 Tipps für das Waldbaden mit deinem Hund

  1. Die optimale Ausrüstung für dein Waldbad mit Hund
    Stelle sicher, dass du genügend Wasser für dich und deinen Hund dabei hast. Eine Decke zum Ausruhen ist nützlich, um sich für 10 bis 15 Minuten auszuruhen, die Augen zu schließen und der Natur zu lauschen. Deinem Hund kannst du währenddessen einen Kong oder eine Schleckmatte geben, falls er eher unruhig ist. Das ist kein Problem, denn dein Hund und du müssen das Waldbaden kennenlernen. Dass ihr beide zunächst unruhig seid, ist normal. Uns ging und geht es genauso! Du solltest auch immer bedenken, dass Menschen und Hunde gute und schlechte Tage haben. Mal klappt es mit der Entspannung richtig gut und an anderen Tagen nicht so. Das ist in Ordnung und ganz menschlich bzw. hündisch.
  2. Eine einfache Achtsamkeitsübung für bewusstere Spaziergänge
    Lass deinen Hund ausgiebig schnüffeln - er zeigt dir die spannenden Dinge: im Inneren und im Außen. Bleibe stehen, wenn er schnüffelt und ziehe ihn nicht weiter. Nimm dir stattdessen Zeit, um die Umgebung bewusst wahrzunehmen: Was siehst du? Was riechst du? Was hörst du? Hast du diese drei Fragen beantwortet, gehe weiter bis zur nächsten Schnüffelstelle und wiederhole die Übung. Wenn ihr dadurch nur eine sehr kurze Strecke zurücklegt, ist das in Ordnung, denn ihr habt diesen kurzen Weg viel intensiver erkundet als wenn ihr eine lange Strecke im Eiltempo ablauft.
  3. Sicherheit für dich und deinen Hund
    Halte Ausschau nach giftigen Pflanzen, die deinem Hund schaden könnten, z. B. Eibe, Fingerhut, Herbstzeitlose, Maiglöckchen, Tollkirsche, Efeu und Riesen-Bärenklau. Achte auch auf einen geeigneten Zecken- und Mückenschutz. Trage lange Hosen und Socken, sodass die Zecken nicht auf deine Haut gelangen können.
     

Fazit 

Bei einem Waldbad mit deinem Hund genießt du 2 intensive Stunden im Wald mit allen Sinnen und konzentriere dich ganz auf dich und deinen Hund. Lasse den Stress des Alltags draußen und finde zu mehr inneren Ruhe in einer hektischen Welt.

Quellen:

¹ Meinersen-Schmidt, N., Walter, N., Kulla, P., Loew, T., Hinterberger, T., & Kruse, J. (2023). Neurophysiological signatures of sensory-processing sensitivity. Frontiers in Neuroscience, 17, 1200962.

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