Kennst du Menschen, die häufig sagen: Ich habe keine Zeit?

Vielleicht gehörst du selbst zu ihnen. Viele Menschen haben das Gefühl, im Alltag kaum Zeit für sich zu finden. Selbst beim Gassigehen gelingt es ihnen nicht, wirklich abzuschalten.

Das Handy ist griffbereit. Noch schnell eine Nachricht. Noch ein Gedanke an das Gespräch mit der Kollegin oder dem Chef. Noch ein Blick auf die Uhr.

Und plötzlich ist der Spaziergang vorbei.

Du warst zwar mit deinem Hund draußen, aber vielleicht nicht wirklich bei ihm – und auch nicht bei dir. Genau daraus kann später ein schlechtes Gewissen entstehen:

Ich war schon wieder nicht richtig präsent.
Ich habe den Spaziergang gar nicht bewusst erlebt.
Eigentlich wollte ich diese Zeit doch genießen.

Wenn du dich darin wiedererkennst, ist dieser Beitrag für dich.



Warum dein Hund auf dem Gassigang unruhig ist

Vielleicht fragst du dich manchmal:      

  • Warum bellt mein Hund ständig andere Hunde an?
  •  Warum ist er draußen so aufgeregt?
  • Warum kann er nicht einfach ruhig laufen?  


Die ehrliche Antwort lautet: Dein Hund spiegelt ganz oft deinen inneren Zustand.  Du bist gedanklich abwesend und dein Hund hat keinen sicheren Hafen, an dem er sich orientieren kann, also übernimmt er die Führung: 

  • Schutzverhalten: Er beschützt dich vor anderen Hunden und bellt. So hält er andere Menschen und Hunde von euch fern. Denn du brauchst gerade keine anderen Menschen und Hunde.
  • Innere Unruhe: Er ist aufgeregt, weil du innerlich genauso aufgewühlt bist und zieht dich von links nach rechts. Genauso planlos wie es in deinem Kopf und Körper gerade aussieht, verläuft euer Spaziergang.

Das Problem daran ist, dass viele Menschen nicht bemerken, dass sich ihr Stress auf ihren Hund auswirkt und ihren Hund aussschimpfen, wenn er bellt. Dabei tut er nur das, was du aussendest: Er hält andere Hunde und Menschen auf Abstand, weil du nicht präsent bist. Dein Körper sendet kontinuierlich Alarmsignale, die dein Hund liest. Er checkt also permanent die Umgebung ab, um euch zu beschützen -  eine Aufgabe, die er nicht haben sollte, denn wenn wir ehrlich sind, soll dein Hund doch eigentlich seinen Gassigang genießen, oder? Und eigentlich hast auch du dir deinen Hund geholt, um tolle Spaziergänge mit ihm zu haben, oder?

Was gestresste Mensch-Hund-Teams brauchen

Gestresste Mensch-Hund-Teams brauchen nicht noch mehr Druck. Sie brauchen einen liebevollen und realistischen Blick auf ihre Bedürfnisse.

Ted und ich mögen zum Beispiel keine sehr nahen Hundebegegnungen. Das habe ich erst verstanden, als ich aufgehört habe, der Vorstellung hinterherzulaufen, dass jedes Mensch-Hund-Team an jedem anderen Team jederzeit problemlos und auf engem Raum vorbeigehen müsse.

Heute frage ich mich eher:

  • Welcher Abstand fühlt sich für uns beide sicher an?
  • Kann Ted den anderen Hund wahrnehmen und trotzdem noch ansprechbar bleiben?
  • Ist sein Körper weich und beweglich oder bereits angespannt?
  • Nimmt er noch Futter an?
  • Kann er sich wieder mir zuwenden?
  • Wie viel Kapazität habe ich heute selbst?

Vielleicht reichen euch an einem Tag ein bis zwei Meter Abstand. An einem anderen Tag braucht ihr fünf, zehn oder noch mehr Meter. Dieser Abstand ist nicht jeden Tag gleich.

Wenn du schlecht geschlafen hast, einen anstrengenden Arbeitstag hattest oder bereits viele Reize aufgenommen hast, kann eure gemeinsame Kapazität geringer sein. Das ist kein Rückschritt. Es ist eine Information über den jeweiligen Tag.


Warum Abstand kein Versagen ist

Wenn dein Hund andere Hunde anbellt oder in die Leine springt, ist der Abstand möglicherweise bereits zu klein gewesen. In diesem Zustand fällt es vielen Hunden schwer, weiterzudenken, Futter anzunehmen oder auf bekannte Signale zu reagieren.

Training kann am besten dort stattfinden, wo dein Hund den Auslöser noch wahrnimmt, aber nicht völlig von seiner Reaktion überwältigt ist. Dieser Bereich wird häufig als individuelle Reizschwelle bezeichnet. Sie verändert sich je nach Hund, Auslöser, Umgebung, Tagesform und vorheriger Belastung.

  • Du darfst also einen Bogen gehen.
  • Du darfst die Straßenseite wechseln.
  • Du darfst umdrehen, bevor dein Hund bellt.
  • Du darfst sagen: „Heute ist dieser Abstand für uns richtig.“

Das ist kein Ausweichen aus Schwäche. Es ist eine bewusste Entscheidung für Sicherheit und Lernfähigkeit.

Deine Tagesform zählt

Ich entscheide heute bewusster danach, wie es mir und Ted an einem bestimmten Tag geht.

  • Habe ich die Kapazität, an einem anderen Hund vorbeizugehen?
  • Ist heute ein Stadttraining sinnvoll?
  • Kann ich Ted gerade wirklich aufmerksam begleiten?
  • Oder wäre ein ruhiger Weg mit viel Schnüffelzeit die bessere Entscheidung?

Denn Training lässt sich nicht unabhängig von eurem Zustand betrachten. Was an einem entspannten Tag gut funktioniert, kann an einem Tag mit wenig Schlaf oder vielen vorherigen Reizen zu viel sein.

Vielleicht kennst du das Bild vom Glas Wasser: Jeder Mensch und jeder Hund startet mit einer unterschiedlichen Menge an Energie und Belastbarkeit. Im Laufe des Tages kommen weitere Tropfen hinzu: schlechter Schlaf, Lärm, Arbeit, Begegnungen, Schmerzen, Aufregung, Hunger oder Zeitdruck. Wenn das Glas fast voll ist, kann schon ein kleiner zusätzlicher Reiz genügen, damit es überläuft.


Das Glas-Wasser-Prinzip im Alltag

Stell dir vor, du hattest einen anstrengenden Tag. Du bist müde, dein Kopf ist voll und du möchtest eigentlich nur noch nach Hause. Dann begegnet ihr dem Hund aus der Nachbarschaft, mit dem es schon häufiger schwierig war. Vielleicht denkst du:

Nicht auch das noch.

Dein Körper spannt sich an. Dein Hund wird aufmerksam. Der Abstand ist zu gering, und plötzlich bellt er.

An einem anderen Tag bist du ausgeschlafen, hast weniger Termine und fühlst dich innerlich freier. Ihr begegnet vielleicht sogar mehreren Hunden, bevor dein Hund oder du merkt: Jetzt reicht es.

Beide Situationen sind wahr. Die Reaktion deines Hundes sagt nicht automatisch etwas über eure Fortschritte aus. Sie zeigt dir, wie viele Ressourcen euch in diesem Moment zur Verfügung stehen.

In meinem Workbook findest du ein tägliches Stimmungsbarometer, das dich dabei unterstützt, deine eigene Kapazität bewusster wahrzunehmen. Außerdem enthält es achtsame Impulse für Spaziergänge, bei denen nicht Leistung, sondern Verbindung im Mittelpunkt steht.

Ein kurzer Check-in vor dem Spaziergang

Bevor du losgehst, kannst du dir drei Fragen stellen:

  1. Wie voll ist mein Glas heute?
  2. Was ist für meinen Hund heute realistisch?
  3. Was kann ich tun, damit wir beide sicherer und entspannter unterwegs sind?

Vielleicht ist die Antwort eine größere Distanz zu anderen Hunden. Vielleicht eine ruhigere Strecke. Vielleicht ein kürzerer Spaziergang. Vielleicht möchtest du dein Handy für zwanzig Minuten in der Tasche lassen und nur beobachten, wie dein Hund schnüffelt, stehen bleibt und sich bewegt.

Du musst nicht sofort entspannt sein. Präsenz bedeutet nicht, dass alle Gedanken verschwinden. Es bedeutet, dass du bemerkst, wenn du gedanklich abschweifst, und freundlich wieder zu dir und deinem Hund zurückkehrst.


Mensch und Hund beeinflussen sich gegenseitig

Dein Hund kann dir nach einem stressigen Tag guttun. Wenn er ruhig neben dir liegt, du sein Gewicht spürst und seinen Atem wahrnimmst, kann dieser gemeinsame Moment beruhigend sein. Gleichzeitig kann deine Anspannung auch beeinflussen, wie dein Hund Situationen wahrnimmt und auf sie reagiert. Beides darf nebeneinander bestehen.

Dein Hund ist nicht allein für deine Regulation verantwortlich. Und du bist nicht allein für seinen Zustand verantwortlich.

Ihr seid zwei Lebewesen mit eigenen Erfahrungen, Bedürfnissen und Grenzen, die sich in einer engen Beziehung gegenseitig beeinflussen.


Mehr innere Ruhe für dich und deinen Hund

Wenn du lernen möchtest,

  • deine eigene Kapazität besser wahrzunehmen;
  • Spaziergänge entspannter zu gestalten;
  • frühzeitig zu erkennen, wann dir oder deinem Hund etwas zu viel wird;
  • mehr Abstand und Sicherheit in Begegnungen zu schaffen;
  • deinen Hund präsent zu begleiten, ohne dich selbst unter Druck zu setzen;

dann lade ich dich herzlich zu meinem Workshop „Achtsamkeit mit Hund“ ein.

Dort erhältst du einen ersten Einblick in die Verbindung zwischen deiner Selbstwahrnehmung, dem Verhalten deines Hundes und eurer gemeinsamen Regulation. Außerdem lernst du einfache, alltagstaugliche Atem- und Wahrnehmungsübungen kennen, die du nach einem stressigen Tag oder einer schwierigen Begegnung einsetzen kannst.

Wenn du dir eine intensivere Begleitung und nachhaltige Unterstützung für deinen Alltag mit Hund wünschst, findest du weitere Informationen in meinem Onlinecoaching „Sicher in mir“.

Du musst beim Gassigehen nicht alles richtig machen.

  • Du darfst langsamer werden.
  • Du darfst Abstand schaffen.
  • Du darfst deinen Hund und dich selbst ernst nehmen.

Und vielleicht beginnt ein entspannterer Spaziergang nicht damit, dass dein Hund sofort ruhig läuft.

Vielleicht beginnt er damit, dass du wieder bemerkst, wie es euch beiden gerade wirklich geht.

Liebe Grüße

Deine Monique


1https://www.gesundheitsinformation.de/wie-funktioniert-das-nervensystem.html

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