Kennst du diese gut gemeinten Ratschläge aus dem Berufsalltag?

Lass die Probleme der anderen nicht so nah an dich heran.
Du musst professionell bleiben.
Nimm dir das nicht so zu Herzen.
Gefühle haben bei der Arbeit nichts zu suchen.

Manchmal steckt darin ein hilfreicher Gedanke: Du darfst lernen, dich abzugrenzen und nicht jede Verantwortung zu übernehmen.

Schwierig wird es jedoch, wenn „Professionalität“ bedeutet, dass du deine Gefühle vollständig unterdrücken sollst. Wenn von dir erwartet wird, dass du weiterfunktionierst, obwohl dich etwas verletzt, verunsichert oder erschöpft. Denn Gefühle verschwinden nicht einfach, nur weil du ihnen im Berufsalltag keinen Raum geben darfst.

Wenn Professionalität mit Gefühllosigkeit verwechselt wird

Im Arbeitsalltag kann Professionalität bedeuten, respektvoll zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Professionalität bedeutet jedoch nicht, dass du nichts fühlen darfst.

  • Du darfst wütend sein, wenn jemand unfair mit dir umgeht.
  • Du darfst Angst empfinden, wenn die nächste E-Mail eine schwierige Nachricht enthalten könnte.
  • Du darfst traurig sein, wenn eine Beziehung zerbricht oder eine vertraute Situation sich verändert.
  • Du darfst enttäuscht sein, wenn deine Leistung nicht gesehen wird.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob du etwas fühlst. Die entscheidende Frage ist, wie du mit dem Gefühl umgehst.

Du kannst deine Gefühle wahrnehmen, ohne sie ungefiltert an anderen auszulassen. Du kannst Grenzen setzen, ohne unprofessionell zu sein. Und du kannst dir Unterstützung holen, ohne dadurch weniger belastbar zu wirken.


Warum dauerhaftes Unterdrücken erschöpfen kann

Wenn du wiederholt so tust, als würde dich etwas nicht berühren, obwohl es dich innerlich stark beschäftigt, entsteht eine Lücke zwischen deinem tatsächlichen Erleben und dem, was du nach außen zeigst. Diese Lücke kann anstrengend sein.

  • Du lächelst, obwohl du verletzt bist.
  • Du sagst „kein Problem“, obwohl dir längst alles zu viel ist.
  • Du arbeitest weiter, obwohl dein Körper nach einer Pause verlangt.

Kurzfristig kann dieses Funktionieren hilfreich sein. Vielleicht ermöglicht es dir, ein Gespräch zu Ende zu führen oder eine wichtige Aufgabe abzuschließen.

Wenn du jedoch über lange Zeit deine Gefühle abspaltest und gleichzeitig hohen Anforderungen, wenig Einfluss oder fehlender Unterstützung ausgesetzt bist, kann das zu emotionaler Erschöpfung beitragen.

Burnout entsteht nicht durch einen einzelnen unterdrückten Gefühlsmoment. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Burnout als arbeitsbezogenes Syndrom infolge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Auch Arbeitsbedingungen wie hohe Anforderungen, wenig Entscheidungsspielraum, mangelnde Unterstützung und fehlende Erholungsmöglichkeiten spielen eine wichtige Rolle. Deshalb sollte die Verantwortung nicht allein bei dir liegen.

Du musst nicht lernen, immer besser in einem ungesunden System zu funktionieren. Manchmal braucht es auch klare Grenzen, Gespräche, Unterstützung oder Veränderungen im Arbeitsumfeld.


Wenn sensible Menschen im Beruf besonders viel wahrnehmen

Wenn du feinfühlig bist, nimmst du mehr wahr, als andere bemerken: die Spannung in einem Raum, eine Veränderung im Tonfall, unausgesprochene Konflikte oder die Stimmung in einem Team. Vielleicht reicht es schon, die Bürotür zu öffnen, und du spürst, dass etwas nicht stimmt. Diese Wahrnehmung kann anstrengend sein. Sie kann jedoch auch eine Stärke sein, wenn du lernst, sie mit ausreichend Abgrenzung und Selbstfürsorge zu verbinden.

Deine Aufgabe ist nicht, jede Stimmung zu lösen. Du musst nicht herausfinden, warum jemand schlecht gelaunt ist. Du musst nicht die emotionale Atmosphäre eines gesamten Teams tragen. Und du musst nicht dafür sorgen, dass es allen gut geht, bevor du dich selbst um deine Aufgaben kümmern darfst. Du darfst wahrnehmen, ohne zu übernehmen.

Deine Feinfühligkeit ist kein Fehler

Manchmal hast du dir im Beruf gewünscht, weniger zu fühlen. Weniger zu bemerken, nachzudenken und weniger empfindlich zu reagieren. Doch deine Feinfühligkeit ist keine Schwäche. Sie kann dir ermöglichen, Zusammenhänge wahrzunehmen, aufmerksam zuzuhören und Zwischentöne zu erkennen. Sie braucht jedoch Schutz.

Eine Stärke, die keinen Raum für Erholung bekommt, kann sich irgendwann wie eine Belastung anfühlen. Deshalb geht es nicht darum, deine Sensibilität abzuschalten. Es geht darum, zu lernen, wann du dich öffnen möchtest, wann du Abstand brauchst und welche Verantwortung tatsächlich bei dir liegt.

Du darfst fühlen. Du musst nicht jedes Gefühl sofort erklären und du musst nicht jede Emotion in eine Handlung verwandeln.

Ein kleiner Check-in im Arbeitsalltag

Wenn du merkst, dass dich eine Situation überflutet, kannst du dir einen kurzen Moment nehmen und dich fragen:

  • Was fühle ich gerade?
  • Wo spüre ich dieses Gefühl in meinem Körper?
  • Gehört dieses Problem wirklich zu meiner Verantwortung?
  • Was brauche ich, um die nächsten zehn Minuten gut zu bewältigen?
  • Brauche ich eine Pause, Unterstützung oder eine klare Grenze?

Vielleicht stellst du fest, dass du gerade wütend bist. Dann musst du nicht sofort reagieren. Vielleicht brauchst du zunächst Abstand, einen Spaziergang oder ein Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt.

Spürst du Angst, dann darfst du prüfen, welche Information oder Unterstützung dir mehr Sicherheit geben könnte.

Spürst du Traurigkeit, dann darfst du dir erlauben, dass ein Arbeitstag nicht jeden inneren Schmerz lösen muss.

Wahrnehmen bedeutet nicht, dich in deinen Gefühlen zu verlieren, sondern dich selbst nicht länger zu verlassen.

Finde deinen sicheren Anker

Wenn äußere Anforderungen dich häufig überfluten, kann es hilfreich sein, einen inneren Anker zu entwickeln.

Dieser Anker bedeutet nicht, dass du in jeder Situation vollkommen ruhig bleibst. Er kann dir helfen, dich selbst auch dann wahrzunehmen, wenn es um dich herum laut, schnell oder emotional wird.

Du kannst dir beispielsweise sagen:

Ich darf fühlen, ohne alles übernehmen zu müssen.

Oder:

Ich muss nicht sofort reagieren. Ich darf zuerst bei mir ankommen.

Im Onlinecoaching „Sicher in mir“ begleite ich dich dabei, deine Stresssignale früher wahrzunehmen, deine Bedürfnisse klarer zu erkennen und deine persönliche innere Sicherheit zu stärken.

Gemeinsam schauen wir darauf,

  • welche beruflichen Situationen dich besonders belasten
  • wo du deine Gefühle regelmäßig zurückhältst
  • welche Erwartungen du an dich selbst trägst
  • wie du deine Grenzen klarer ausdrücken kannst
  • wie du zwischen Mitgefühl und Überverantwortung unterscheiden kannst
  • welche körperorientierten Übungen dich im Alltag unterstützen können

Dabei geht es nicht darum, deine Gefühle wegzumachen. Es geht darum, ihnen zuzuhören, ohne dass sie dein gesamtes Leben bestimmen. Du darfst eine feinfühlige Frau sein. Du darfst professionell arbeiten und du darfst Grenzen setzen.

Wenn du dich in diesem Beitrag wiedererkennst und lernen möchtest, dich im Alltag sicherer und verbundener zu fühlen, findest du hier mehr Informationen zu „Sicher in mir“.

Liebe Grüße

Deine Monique 


Quelle: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13058559/

War dieser Beitrag hilfreich für dich? Dann freue ich mich, wenn du ihn teilst.